Faktische Helmpflicht für Skifahrer

Wird ein auf der Ski-Piste anhaltender Skifahrer an einer gut einsehbaren Stelle durch einen mit hoher Geschwindigkeit fahrenden und aufgrund verkanteter Ski stürzenden Skifahrers umgefahren und zieht sich hierbei schwere Verletzungen am Kopf zu, die durch das Tragen eines Skihelms vermeidbar gewesen wären, dann muss sich der Verletzte jedenfalls eine Mitverschuldensquote in Höhe von 50 % zurechnen lassen. So jedenfalls sahen es die Richter des OLG München in einem Urteil vom 22.03.2012, Az. 8 U 3652/11. Geklagte hatte hier der Träger der Krankheitskosten aus übergegangenem Recht und verlangte vom Schädiger bzw. der dahinter stehenden Privathaftpflichtversicherung Ersatz der aufgewendeten Heilbehandlungskosten. Das Landgericht München II verurteilte den Beklagten auf Schadensersatz in voller Höhe, da den herkömmlichen Freizeitskifahrer, der das Skifahren nur hobbymäßig und nicht mit besonderer sportlicher Ambition betreibe, keine Obliegenheit zum Tragen eines Schutzhelmes treffe, zumal zum Unfallzeitpunkt keine Helmpflicht für Skifahrer bestanden habe und beim Freizeitskifahrer nicht das Erzielen hoher Geschwindigkeiten im Vordergrund stehe. Dies sahen die Richter des OLG München aus eigener Anschauung wohl anders und änderten das Urteil des LG München dahingehend ab, dass der Beklagte nur zur Zahlung der Hälfte der geltend gemachten Forderung verurteilt wurde. Nach eigener Wahrnehmung des Senats hätten sich auf den Pisten sowohl die Anzahl der Skifahrer, wie auch die dort gefahrenen Geschwindigkeiten materialbedingt ständig erhöht. Diesem Umstand trage die Mehrzahl der Skifahrer zwischenzeitlich dadurch Rechnung, dass sie mit Helm unterwegs seien. Hierdurch sei zwischenzeitlich eine Obliegenheit zum Tragen von Helmen entstanden, die es gem. § 254 BGB rechtfertige, auch dem ohne Skihelm fahrenden Hobby-Skifahrer ein Mitverschulden in Höhe von 50 % anzulasten, soweit es jedenfalls um durch das Tragen eines Skihelms vermeidbare Kopfverletzungen gehe. Wegen der veränderten Verhältnisse auf den Skipisten sei das Tragen eines Skihelms zur Vermeidung haftungsrechtlicher Folgen grundsätzlich geboten. Wer dieses Risiko außer Acht lässt und zumutbare Schutzvorkehrungen nicht trifft, müsse und könne auch für die kausalen Unfallfolgen mitverantwortlich gemacht werden.

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