Fußgängerfurt den Fußgängern

Alleinige Haftung des Radfahrers auf einer Fußgängerfurt

Das Landgericht Frankfurt / Oder hatte sich mit der Frage zu befassen, welche Haftungsquote bei einem Unfall auf einer Fußgängerfurt auszuwerfen ist (vgl. LG Frankfurt / Oder, Urt. v. 20.03.2015 – 11 O 86/13).

Die Klägerin wurde durch einem am 24.08.2010 gegen 13:20 Uhr erlittenen Verkehrsunfall beim Überqueren einer Fußgängerfurt - ohne vom Fahrrad abzusteigen - schwer verletzt und zog sich eine proximale Unterschenkelfraktur links mit Trümmerfraktur des Schienbeinkopfes und Mehrfachfraktur des Fibulakopfes zu. Nach einmonatiger stationärer Behandlung wurde ihr eine Knieprothese eingesetzt, jedoch klagte sie weiterhin über erhebliche Schmerzen im Wirbelsäulen-bereich, über linksseitige Durchblutungsstörungen sowie Taubheitsgefühle in der Hand aufgrund des ständigen Gebrauchs einer Gehhilfe. Unter Berücksichtigung einer 20 %igen Mithaftungsquote forderte sie von der Haftpflichtversicherung des PKW-Fahrers ein Schmerzensgeld von 9.600,00 € sowie den Zeitwert für das beschädigte sechs bis acht Jahre alte Fahrrad nebst Unkostenpauschale in Höhe von anteiligen 180,00 €.

Das Landgericht wies die Schadensersatz - und Schmerzensgeldklage in Gänze mit der Begründung ab, dass sich die Klägerin ihrerseits einen gewichtigen Verstoß gegen § 1 StVO vorwerfen lassen müsse. Als Radfahrerin hätte sie auf einer Fußgängerfurt nichts zu suchen. Sie hätte absteigen und ihr Fahrrad schieben müssen. Ihre Fahrweise sei im besonderen Maße gefahrenträchtig gewesen, weil sie wegen der erheblich höheren Geschwindigkeit im Vergleich zu Fußgängern, die zum Überqueren ansetzen mochten, für den Kraftfahrer überraschend auftauchen und dessen Reaktionsvermögen überfordern könne. Genau dieses Risiko habe sich im vorliegenden Fall auch verwirklicht, denn der Fahrzeuglenker sei zu spät auf die Klägerin aufmerksam geworden. Auch sei eine Überschreitung der im Unfallbereich zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h nicht nachweisbar.

Ist das Maß der Verursachung und des Verschuldens auf der einen Seite so groß, dass demgegenüber die von der anderen Partei zu verantwortende Mitverursachung nicht ins Gewicht fällt, so könne der Schaden allein der einen Partei, hier der Fahrradfahrerin, auferlegt werden. Im Ergebnis sind auf Fußgängerfurten eben nur Fußgänger geschützt.

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