Kein Vollkasko bei nicht angezeigtem Tuning

Das OLG Koblenz hatte sich mit der Klage eines Cabrio-Besitzers zu befassen, an dessen getunten Fahrzeug unfallbedingt ein Schaden in Höhe von 9.446,00 € entstanden war (vgl. OLG Koblenz, Urt. v. 14.07.07 - 10 U 56/06).

Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kläger hatte sein Fahrzeug, einen Audi 80 Cabrio, seinem Sohn für eine Spritztour zur Verfügung gestellt. Durch den Kläger waren am Fahrzeug Veränderungen der Bereifung, Spurverbreiterung durch Distanzringe von 10 mm Dicke an der Vorderachse und 15 mm Dicke an der Hinterachse, Leistungssteigerung durch Öttinger-Bausatz und Tieferlegung des Fahrwerks vorgenommen werden. Durch plötzliches Ziehen der Handbremse während der Fahrt durch den Beifahrer geriet das Fahrzeug ins Schleudern, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Der Fahrer erlag noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. An dem Fahrzeug des Klägers entstand wirtschaftlicher Totalschaden.

Das Gericht wies die Klage mit der Begründung ab, dass der Kläger nach dem Versicherungsvertragsgesetz die Pflicht gehabt hätte, die nach Versicherungsabschluss vorgenommenen Veränderungen bei seiner Vollkaskoversicherung anzuzeigen. Dies sei unstreitig nicht geschehen. Der Senat war hier der Auffassung, dass der Kläger durch die von ihm vorgenommenen bzw. durch ihn zugelassenen Veränderungen an seinem Fahrzeug in geradezu typischer Weise die Gefahr für das Zustandekommen eines Unfalls, wie des vorliegenden, erhöht habe. Tuningmaßnahmen wie vorliegend hätten einzig und allein den Zweck, das Fahrzeug sportlicher und schneller zu machen und stellen insgesamt eine Leistungssteigerung im Hinblick auf die Geschwindigkeit dar. Bei lebensnaher Betrachtung sei geradezu typisch, dass sich derartige Fahrzeugveränderungen auch auf das Fahrverhalten des Benutzers auswirken und damit risikoerhöhend wirken. Ein getuntes Fahrzeug schaffe gerade für junge Leute eine besonderen Anreiz, die durch das Tuning geschaffenen Möglichkeiten des Fahrzeugs auch tatsächlich auszureizen. Entsprechend führe das Tuning typischerweise auch gemäß den jeweiligen Tarifmerkmalen zu einer höheren Prämieneinstufung und wirke sich damit in der Gesamtbewertung als objektive Gefahrerhöhung aus. Zeigt der Fahrzeughalter die erfolgten Umbauten seiner Vollkaskoversicherung nicht an, so wird nach gängiger Rechtsprechung des OLG Koblenz der Versicherer leistungsfrei mit der Folge, dass der Fahrzeugeigentümer hier leer ausgeht und seinen Fahrzeugschaden selbst zu tragen hat.

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