Wertminderung auch bei hoher Kilometerleistung

Das OLG Oldenburg hatte sich in einem Berufungsverfahren mit der Frage auseinanderzusetzen, ob bei einem zum Unfallzeitpunkt 3 1/2 Jahre alten Audi A 6 Avant TDI mit einer Laufleistung von 195.648 km noch ein sogenannter merkantiler Minderwert anfällt (vgl. OLG Oldenburg, Urt. v. 01.03.07 - 8 U 246/06).

 

Das Landgericht Oldenburg als Vorinstanz hatte diese Frage mit der Begründung verneint, dass bei einem PKW im Allgemeinen eine Fahrleistung von 100.000 km als obere Grenze für den Ersatz eines merkantilen Minderwerts anzusetzen sei. Das OLG Oldenburg hingegen sprach dem Kläger einen Wertausgleich in Höhe von 250,00 € zu mit der Begründung, dass nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nicht allein die Laufleistung für einen Wertverlust maßgeblich sei, sondern deren Bedeutung für die Bewertung des Fahrzeugs auf dem Gebrauchtwagenmarkt, die sich im Laufe der Zeit mit der technischen Entwicklung und der zunehmenden Langlebigkeit der Fahrzeuge ändere. Insbesondere anerkannte Schätzorganisationen wie Schwacke und DAT gehen in ihren Notierungen zwischenzeitlich auf bis zu 12 Jahre zurück und weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich sämtliche Marktnotierungen auf unfallfreie Fahrzeuge beziehen. Auf eine starre Kilometergrenze kann danach nicht mehr abgestellt werden; vielmehr hat der Tatrichter in jedem Einzelfall gemäß § 287 ZPO zu prüfen, ob sich der Unfallschaden wertmindernd auswirkt.

 

Bei einem 3 1/2 Jahre alten Fahrzeug, auch mit einer Laufleistung von annähernd 200.000 km, war der Unfallschaden, der Schweißarbeiten am Heckblech und Richtarbeiten im Bereich des Bodenbleches hinten sowie die Erneuerung diverser Anbauteile erforderte, im Falle einer Veräußerung auch ungefragt offenbarungspflichtig. Den hierdurch beim Verkäufer in der Folge eintretenden Mindererlös hat das OLG Oldenburg jedenfalls auf ausgeurteilte 250,00 € geschätzt, obgleich die gängige Praxis der Versicherungswirtschaft bei Laufleistungen über 100.000 km zu keinem merkantilen Minderwert mehr gelangt und der Geschädigte auf diesem Preisabschlag selbstredend sitzenbleiben soll. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Rechtsprechensänderung bei den Oberlandesgerichten in der Fläche durchsetzen wird.

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